…wanderten wir. lomé stand auf der tagesordnung. und wir hielten sie strikt ein. ein wochenende in einer ehemaligen deutschen kolonie, wer möchte das nicht mal erleben? rucksack gepackt, pass eingesteckt und auf geht die reise. in good old europe würde man sich sagen: wir setzen uns in den zug, fahren die paar hundert kilometer bis lomé in ein paar stunden und schauen uns dann dort die stadt an. zum glück sind wir nicht in good old europe, sondern in black africa. also sieht das anders aus. man ruft ein hotel an, handelt für deren taxi einen preis aus. geht ins hotel, wartet eine stunde. dann kommt das taxi, plötzlich heißt es, man muss noch das benzin bezahlen. also verhandelt man wieder. der taxifahrer fährt weg. schließlich erzielt man eine einigung. der taxifahrer kommt wieder. mittlerweile sind mehrere stunden vergangen. ist nicht so schlimm. dann fährt man los, lässt sich im taxi von einem am stadion aufgegabelten missionar eine bibel schenken (im tausch gegen die email adresse, wohlgemerkt). der ist aber echt nett und hilft auch bei den formalitäten an der grenze. die grenzpolizisten sind echt nett. da ich mit flora unterwegs war, liefen die dialoge etwa so ab:
„c’est ta femme?“
„non“
„c’est ta copine?“
„non, c’est une copine“
„tu me la donnes?“
„écoute ce n’est pas à moi de décider ca, si elle elle veut, moi ca me pose pas de problème…“
(protest seitens floras)
naja. aber ansonsten war alles ganz nett, die grenzbeamten waren lustig, fragt mich einer doch echt, ob die alte schrottkarre, mit der wir rumfahren, mir gehört! ich war drauf und dran ihm vor die füße zu spucken, aber ich musste ja zurück nach benin, also ging das leider nicht. gut, dann nachdem die ganzen sachen mit pass und visum und so gemacht waren war es schon dunkel. bis lomé nochmal eine stunde. erster eindruck: wow, industrie, das hab ich seit ludwigshafen nicht mehr gesehen! in lomé gibt es raffinerien, brauereien, alles was das herz begehrt. wunderschöne romantische industrielandschaft. zweiter eindruck: das hotel ist voll. die suche nach einem neuen geht los, aber der securitymann auf der straße empfiehlt uns eines. zum glück hat flora als medizinstudentin zwei (!) flaschen sterilium dabei, außerdem noch desinfiziertücher und und und. am nächsten tag war der hotelwechsel ein muss.
dann die suche nach dem ded-gästehaus, in dem noch andere praktikanten hausen sollen. sie gestaltet sich als schwierig. man bedenke: es gibt nahezu keine organisationen der entwicklungszusammenarbeit in togo. der ded ist eine der wenigen. trotzdem kennt ihn kein schwein. aber eine mitarbeiterin der deutschen botschaft. wenigstens etwas. also dann, auf gehts ins gästehaus (wohlgemerkt, noch ohne dusche, die im hotel funktionierte nicht). und das gästehaus war schön, die praktikanten nett, das ursprünglich vorgesehene hotel doch wieder frei (mit dusche!) und die einladung zur abschiedsparty von zwei der praktikanten in der tasche. soweit, so gut. dann die obligatorische touristische stadtbesichtigung. schade nur, dass man regierungsgebäude, die immerhin die hälfte der stadt ausmachen (es leben die größenwahnsinnigen diktatoren!) nicht fotografieren darf. und der rest von lomé besteht aus einigen unspektakulären straßen und gebäuden und kirchen und strand. trozdem echt nett, und man sieht sogar ansätze von stadtplanung, das ist beeindruckend. weiteres merkmal der stadt: die menschen kleiden sich „westlich“ also nicht wie in cotonou im schlafanzug, und sind echt schlecht dran. eine ziemlich üble atmosphäre herrscht in der stadt, ziemlich schade an sich, aber das ist nun mal der nebeneffekt von erfolgreichen diktaturen (außer menschenrechtsverletzungen, unterdrückung, verfolgung, systematische tötung von oppositionellen, entwicklungsrückstand und und und, aber dazu mehr im beipackzettel). wenigstens können togolesen fußball spielen, zumindest einer. Damit kommen wir auch zu (meinem) hauptgrund, nach lomé zu reisen: den käuflichen erwerb einer (möglichst guten) kopie eines togolesischen fußballtrikots. das resultat: eine originalgetreue (mehr oder weniger) nachbildung dessen, was togolesische kicker in offiziellen spielen für ihr land tragen. die ehrlich gesagt ganz gut aussieht! aber nicht nur das hab ich gemacht. wir waren auch in der stadt spazieren, was allerdings problematisch ist. man darf nicht zögern, stehenbleiben oder irgendwo hin gucken. sonst kommen leute angerannt und gehen nicht mehr weg. man kann freundlich sein, unfreundlich sein, mit ihnen reden, nicht mit ihnen reden, das ist ihnen egal. sie wollen nur was verkaufen. lomé, stressiger (in der hinsicht) als cotonou. not bad, mister specht.
aber ansonsten war der ausflug gelungen, die party am abend war echt schön, nette mitarbeiter von ded, goethe-institut und deutscher botschaft, dazu vereinzelt einige afrikaner, eine nette stimmung, was will man mehr? und am nächsten tag muss ich erfahren, dass die italienischen fans die französische nationalhymne ausgepfiffen haben. zum glück hat italien nicht gewonnen, das hotel wimmelte nur so von franzosen, die hätten mich bei lebendigem leibe aufgefressen. vielleicht auch nicht, aber es muss ja nicht ausprobiert werden. und dann wollten wir zurück. natürlich war unser taxifahrer nicht am abgemachten treffpunkt zur abgemachten zeit, sondern (man lese und staune) kam zu früh und war dann auch wieder weg. halb so wild, es gibt ja buschtaxis, die bringen einen sicher (oder auch nicht) nach hause. war spannend, das erste mal, dass ich in einem opel omega gefahren bin. zumindest in einem so alten, der war bestimmt älter als ich (fast). soweit, so gut, die reise ist locker verlaufen, niemand wollte flora geschenkt haben und in cotonou fühlt man sich fast schon sowas wie heimisch. interessant, interessant. au revoir.